Dark Social

Jenseits von Likes und Reichweite: Die Rolle von Dark Social im Social Media Marketing

16. Februar 2025 • Lesezeit: 4 Minuten

Ein großer Teil dessen, was auf Social Media passiert, ist sichtbar: Posts, Likes, Kommentare, Reichweite. Und doch findet ein erheblicher Teil der Gespräche woanders statt: Abseits des Feeds, abseits der öffentlichen Bühne -> im Dark Social.

Gerade bei jüngeren Nutzergruppen wie der Gen Z zeigt sich dieses Verhalten deutlich: Inhalte werden intensiv konsumiert, aber bevorzugt in private Räume weitergetragen. In Direktnachrichten, Gruppenchats, Messenger-Threads oder geschlossenen Communities wird über Marken gesprochen, werden Produkte empfohlen oder bewusst ausgeschlossen.

Diese Gespräche hinterlassen keine öffentliche oder messbaren Spuren, beeinflussen jedoch Wahrnehmung, Vertrauen und Kaufentscheidungen.

Was ist Dark Social?

Dark Social beschreibt private Formen des Teilens und der Kommunikation, die für Marken nicht sichtbar oder messbar ist. Entscheidend ist nicht die Plattform, sondern der private Kontext.

Dark Social spielt sich überall dort ab, wo Kommunikation nicht öffentlich einsehbar ist. Typische Orte sind:

Direktnachrichten auf Plattformen wie Instagram oder TikTok
Messenger-Dienste wie WhatsApp, Signal oder Telegram
Gruppenchats im privaten oder beruflichen Kontext
geschlossene Communities, z. B. auf Discord oder Slack

Diese Räume sind kein Randbereich von Social Media, sondern ein zentraler Bestandteil davon. Öffentliche Plattformen dienen oft als Ausgangspunkt. Die eigentliche Auseinandersetzung findet danach im Privaten statt.

Warum private Weitergabe so wirksam ist

Wer einen Inhalt im direkten Austausch teilt, trifft eine bewusste Entscheidung: Der Inhalt ist relevant für eine bestimmte Person, Situation oder Fragestellung.

Genau deshalb haben Inhalte im Dark Social eine andere Gewichtung als öffentlich sichtbare Reaktionen. Ihr Wert liegt nicht in der Reichweite, sondern darin, dass sie:

Vertrauen aufbauen
Kaufabsichten beeinflussen.
Entscheidungen vorbereiten oder beschleunigen.

In privaten Gesprächen wird geklärt, ob ein Produkt sinnvoll ist, ob eine Marke glaubwürdig wirkt oder ob eine Empfehlung ernst genommen wird. Diese Prozesse finden oft lange vor einem Kauf oder einer öffentlichen Handlung statt.

Die Grenzen klassischer Kennzahlen

Stell dir vor, dein Content ist eine Bühne:

Likes, Kommentare und Reichweite liefern weiterhin Orientierung. Aber sie bilden nicht ab, was Inhalte im privaten Raum auslösen.

Dark Social macht sichtbar, dass:

Diskussionen, Empfehlungen und Austausch nicht immer öffentlich stattfinden.
Inhalte relevant sein können, ohne zu performen.
Gespräche wichtiger sein können als Reaktionen.

Das heißt nicht, dass Kennzahlen unwichtig sind. Aber sie erzählen nur einen Teil der Geschichte.

Was das für Content bedeutet

Wenn Inhalte im Dark Social wirken sollen, müssen sie für private Weitergabe konzipiert sein, für Situationen, in denen Menschen Inhalte gezielt an andere weiterleiten. In Gruppenchats, Direktnachrichten oder geschlossenen Communities wird nur geteilt, was relevant ist.

Entscheidend ist deshalb die Teilbarkeit im intimen Kontext. Content sollte so gestaltet sein, dass er:

ein konkretes Thema oder Problem erklärt („Worum geht es hier und warum ist das relevant?“).
ohne zusätzlichen Kontext verständlich ist, auch wenn jemand nur den Link weiterleitet.
einen klaren Nutzen für eine Situation bietet, etwa zur Einschätzung, Empfehlung oder Entscheidungsfindung.

Je präziser und spezifischer ein Inhalt ist, desto eher wird er weitergereicht. Nicht an alle, sondern an genau die Personen, für die er relevant ist. Genau dort beginnt im Dark Social Wirkung.

Eine weitere zentrale Rolle spielt Vertrauen. Besonders deutlich wird das bei der Zusammenarbeit mit Creators. Große öffentliche Reichweiten sagen wenig darüber aus, ob Empfehlungen tatsächlich etwas auslösen. Entscheidend ist, ob Creators in privaten Kontexten präsent sind, etwa durch:

aktive Direktnachrichten
regelmäßigen Austausch in Gruppenchats

Wenn ein Creator ein Produkt oder eine Marke in einem privaten Gespräch empfiehlt, hat das oft mehr Einfluss auf Kaufentscheidungen als ein öffentlicher Post mit hoher Reichweite.

Geschlossene Communities oder exklusive Kommunikationsformate schaffen einen Rahmen, in dem Menschen offener fragen, diskutieren und Feedback geben. Hier entstehen keine schnellen Likes, sondern belastbare Beziehungen, die später auch zu Empfehlungen, Loyalität oder Käufen führen können.

Dark Social lässt sich nicht messen. Aber wer Inhalte so denkt, dass sie im privaten Raum Sinn ergeben, schafft die Voraussetzung, dort überhaupt stattzufinden.

Fazit:

Dark Social ist kein Ersatz für öffentliche Social-Media-Kommunikation, sondern ihre logische Ergänzung. Während Feeds Sichtbarkeit schaffen und Orientierung bieten, entstehen im privaten Austausch Einordnung, Vertrauen und konkrete Entscheidungen.

Für Marken bedeutet das nicht, bestehende Strategien über Bord zu werfen, sondern sie zu erweitern. Inhalte müssen weiterhin öffentlich funktionieren, sollten aber so gedacht sein, dass sie auch im privaten Kontext Sinn ergeben. Denn genau dort werden sie vertieft, weiterempfohlen oder kritisch diskutiert.

Dark Social zeigt damit vor allem eines: Wirkung auf Social Media entsteht auf mehreren Ebenen. Wer diese Ebenen zusammendenkt, kommuniziert zielgerichteter.