Früher war die Sache auf Social Media schön übersichtlich. Du sammelst Follower:innen , veröffentlichst einen Beitrag und ein Teil dieser Menschen bekommt ihn zu sehen. Je größer die Community, desto größer die potenzielle Reichweite – fühlte sich zumindest so an.
Heute kann ein Account mit 20.000 Follower:innen einen Beitrag veröffentlichen, der nur einen winzigen Teil seiner Community erreicht, während ein deutlich kleinerer Account mit einem einzigen Video weit über die eigene Followerschaft hinauskatapultiert.
Dann sitzt du vor den Insights und fragst dich, ob TikTok, LinkedIn & Co. inzwischen würfeln.
Spoiler: Tun sie nicht.
Follower:innen sind auf Social Media immer noch wichtig, doch ihre Anzahl entscheidet nicht darüber, wie weit ein Inhalt ausgespielt wird. Personalisierte Feeds können Beiträge auch Menschen zeigen, die einem Account bisher nicht folgen.
Für Unternehmen verändert das eine Entscheidung. Statt zu überlegen „Wie bekommen wir mehr Follower:innen?“, sollten wir uns fragen: „Wie erreichen wir die richtigen Menschen mit relevanten Inhalten?“
Das ist ein ziemlicher Unterschied.
Sind Follower:innen auf Social Media überhaupt noch wichtig?
Ja.
Bevor jetzt jemand feierlich den monatlichen Follower-Report in den Papierkorb verschiebt: Eine relevante Community bleibt wertvoll. Menschen, die deinem Account bewusst folgen, haben bereits Interesse an deinem Unternehmen, deiner Marke oder deiner Person gezeigt und möchten grundsätzlich wieder von dir hören.
Entscheidend ist allerdings, wer hinter dieser Zahl steckt.
20.000 Follower:innen sehen im Monatsreport beeindruckend aus. Wenn ein großer Teil davon allerdings vor drei Jahren wegen eines Gewinnspiels auf „Folgen“ geklickt hat und sich seitdem weder für dein Unternehmen noch für deine Inhalte interessiert, besitzt du nicht mehr als eine dekorative Zahl.
1.000 Menschen, die tatsächlich zu deiner Zielgruppe gehören, können für dein Unternehmen wesentlich wertvoller sein.
Deshalb lohnt sich bei der Follower-Zahl ein zweiter Blick: Wer folgt uns eigentlich? Denn eine große Community bringt deinem Unternehmen wenig, wenn die Menschen dahinter kaum Interesse an deinen Themen, Produkten oder Leistungen haben.
Warum deine Inhalte Menschen erreichen, die dir nicht folgen
Social Media Feeds bestehen längst nicht mehr nur aus Beiträgen von Accounts, denen wir folgen.
TikTok ist ein gutes Beispiel. Für den Für-dich-Feed nennt die Plattform verschiedene Signale, darunter Nutzerinteraktionen wie Likes, Shares, Kommentare und gefolgte Accounts sowie Informationen zum jeweiligen Video wie Captions, Sounds und Hashtags. Auch stärkere Interessenssignale, beispielsweise das vollständige Ansehen eines längeren Videos, können stärker gewichtet werden.
Besonders interessant für kleinere Accounts: Laut TikTok sind weder die Follower-Zahl noch frühere erfolgreiche Videos direkte Faktoren des Empfehlungssystems. Ein größerer Account kann durch seine bestehende Community zwar leichter erste Aufrufe erzielen, die Zahl der Follower:innen entscheidet aber nicht darüber, ob ein Video für den Für-dich-Feed empfohlen wird.
Auch LinkedIn personalisiert seinen Feed. Seit März 2026 führt die Plattform Generative Recommenders ein, die gemeinsam mit Large Language Models besser verstehen sollen, worum es in Beiträgen geht und wie sich berufliche Interessen verändern. Dafür berücksichtigt LinkedIn unter anderem Branche, Fähigkeiten, Berufserfahrung, Standort und das bisherige Engagement mit Inhalten. Relevante Beiträge können dadurch aus dem eigenen Netzwerk oder von Professionals stammen, die du bisher nicht kennst.
Das erklärt auch diese Beiträge, bei denen man sich fragt:
„Wer ist das und warum weiß LinkedIn, dass mich das interessiert?“
Die Plattform hat aus deinen bisherigen Signalen offenbar eine ziemlich gute Vermutung entwickelt.
Für kleinere Unternehmen und neue Accounts bedeutet das: Eine riesige Followerschaft ist keine Voraussetzung dafür, von neuen Menschen entdeckt zu werden. Das heißt natürlich nicht, dass ein Account mit 73 Follower:innen am Dienstag um 14:37 Uhr automatisch viral geht, sobald jemand die richtige Hook verwendet. Die Ausgangslage ist nur eine andere geworden, weil Content nicht an der Grenze der eigenen Community Halt machen muss.
Was bedeutet das für deine Social-Media-Strategie?
Wenn dein Content auch Menschen begegnen kann, die dein Unternehmen noch nicht kennen, solltest du ihn nicht nur für deine Stammleser entwickeln.
Ein Beitrag mit dem Einstieg „Wie bereits letzte Woche angekündigt, möchte ich heute noch einmal auf Punkt drei eingehen …“ funktioniert nur für jemanden, der dir seit Monaten aufmerksam folgt.
Für eine Person, der dieser Beitrag zum ersten Mal empfohlen wird, klingt‘s als wäre sie zwanzig Minuten zu spät zum Meeting gekommen.
Guter Social Media Content funktioniert auch ohne Vorgeschichte. Das Thema muss schnell erkennbar sein, der Inhalt genügend Kontext liefern und dein Gegenüber sollte verstehen, warum dieser Beitrag für ihn relevant ist. Gleichzeitig lohnt es sich, thematisch klarer zu werden. Wenn du heute über Recruiting sprichst, morgen über das Firmenfrühstück, übermorgen über Steuerrecht und am Donnerstag über den internationalen Tag der Zimmerpflanze, wird es für Menschen schwierig zu verstehen, wofür dein Account steht.
Eine klare thematische Ausrichtung schafft dagegen Orientierung. Deine Zielgruppe versteht, mit welchen Themen sie bei dir rechnen kann und weshalb es sich lohnt, deinen Content wieder anzusehen. Damit dir dafür nicht jede Woche neue Themen einfallen müssen, helfen dir feste Content-Säulen. Wie du diese entwickelst und für deine Content-Planung nutzt, zeigt dir dieser Blogbeitrag über Personal Brand.
Bevor du deinen nächsten Beitrag veröffentlichst, helfen drei Fragen: Ist dieses Thema für unsere Zielgruppe relevant? Versteht den Beitrag auch jemand, der uns noch nicht kennt? Liefert der Inhalt einen Grund, sich weiter mit uns zu beschäftigen?
So planst du Content nicht für eine Zahl im Profil, sondern für die Menschen, die du erreichen möchtest.
Reichweite ist nicht gleich Erfolg
Jetzt wartet die nächste Falle: Wenn die Follower-Zahl nicht alles ist, könnte man einfach die Reichweite zur neuen Lieblingszahl im Monatsreport erklären, oder?
Auch das greift zu kurz.
Ein Video mit 100.000 Views kann großartig sein. Wenn du als österreichisches B2B-Unternehmen allerdings hauptsächlich Menschen erreichst, die weder zu deiner Zielgruppe gehören noch mit deinem Angebot etwas anfangen können, bringt dir diese Reichweite nur wenig Erfolg.
Welche Social-Media-Kennzahlen wichtig sind, hängt deshalb von deinem Ziel ab. Reichweite und Impressionen zeigen, wie weit sich dein Content verbreitet, während bei Videos beispielsweise die Watchtime Hinweise darauf geben kann, ob Menschen dranbleiben. TikTok empfiehlt, bei der Analyse nicht eine einzelne Engagement-Kennzahl wie Likes oder Kommentare zu betrachten, sondern größere Entwicklungen in den Analytics und das Verhalten des Publikums im Blick zu behalten.
Für Unternehmen kommen Kennzahlen hinzu, die näher an den eigenen Zielen liegen. Möchtest du Aufmerksamkeit aufbauen, können Reichweite und Videoaufrufe interessant sein. Möchtest du Menschen auf deine Website bringen, werden Klicks wichtiger. Geht es um konkrete Geschäftsergebnisse, können Kontakte oder Anfragen aussagekräftiger sein.
Denn 100.000 Views sind schön. 100 passende Anfragen wären noch schöner.
Was bedeutet das für deinen nächsten Beitrag?
Die Veränderung der Social Media Feeds verlangt nicht automatisch mehr Content. Sie verlangt vor allem Content, der ein klares Thema hat und für die gewünschte Zielgruppe einen erkennbaren Nutzen bietet.
Statt bei der Planung zu fragen, „Was könnten wir diese Woche noch posten?“, lohnt sich deshalb eine andere Herangehensweise.
Welche Fragen stellen eure Kund:innen immer wieder? Welche Probleme beschäftigen eure Zielgruppe? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht, aus denen andere etwas lernen können? Welche Themen gehören zu eurer Expertise und bieten Stoff, um regelmäßig darüber zu sprechen?
Aus diesen Fragen entsteht eine Content-Strategie, die nicht von Trends abhängt.
Der internationale Tag der Zimmerpflanze darf also auch einmal ohne Unternehmens-Posting stattfinden. Sie wird es verkraften.
Fazit: Follower:innen zählen noch aber anders
Follower:innen haben ihren Wert nicht verloren. Entscheidend ist, wer hinter dieser Zahl steckt und ob dein Content die Menschen erreicht, die für dein Unternehmen relevant sind.
Eine große Community kann wertvoll sein, ersetzt aber weder relevante Themen noch guten Content und eine klare Social-Media-Strategie.
Die Frage lautet deshalb nicht nur: „Wie viele Follower:innen haben wir?“
Sondern: „Erreichen wir die richtigen Menschen und geben wir ihnen einen Grund, wiederzukommen?“
Häufige Fragen zu Follower:innen und Social-Media-Erfolg
Was ist eine gute Follower-Zahl für Unternehmen?
Eine pauschal gute Follower-Zahl gibt es nicht. Ein Unternehmen mit einer kleinen, klar definierten B2B-Zielgruppe benötigt keine riesige Community, um Social Media erfolgreich einzusetzen. Entscheidend ist, ob die erreichten Menschen zum Unternehmen und zu dessen Zielen passen.
Sollte Follower-Wachstum noch ein Social-Media-Ziel sein?
Follower-Wachstum kann ein sinnvolles Ziel sein, wenn der Aufbau einer relevanten Community Teil der Social-Media-Strategie ist. Die Zahl sollte jedoch nicht isoliert betrachtet werden, sondern gemeinsam mit den Zielen, die ein Unternehmen über Social Media erreichen möchte.
Entscheidend ist deshalb nicht nur, wie viele Menschen dir folgen, sondern wen du erreichen möchtest, mit welchen Inhalten du diese Menschen erreichst und welche Kennzahlen dir zeigen, ob du deinem Ziel näherkommst.
Du möchtest nicht einfach posten und hoffen, dass die Zahlen schon irgendwie stimmen? Dann wirf einen Blick auf unsere Social-Media-Beratung & -Strategie. Gemeinsam entwickeln wir einen klaren Plan für deine Ziele, deine Zielgruppe, deine Kanäle und deinen Content.
